Kein Tag wie jeder Andere

                                                                                                Wildau, Samstag den 23.02.1985

Dieser Tag, der sehr bedeutungsvoll werden sollte für unsere VSG WUHLHEIDE 79, begann eigentlich wie jeder Samstag beginnt, mit einem schweren Kopf, der die Belastungen des Freitagabend spürbar durch die einzelnen Gehirngänge jagte. (Am Freitag war in der Werner Seelenbinder-Halle der 1.FC UNION Knüller). Das einzigste was an diesem Samstagmorgen auffiel, war dass ausgesprochenes VSG-Wetter herrschte. Es schien die Sonne und die Temperaturen erreichten langsam aber sicher die 0 Grad Grenze. Dieses wurde auch höchste Zeit, nach den sibirischen Werten der vergangenen Wochen.

Während, so gegen Mittag, die Ersten von uns versuchten etwas festes zu sich zu nehmen, drehten sich einige gerade das 2.mal im Bett um.

Wie der Nachmittag verlief läst sich nur ahnen, denn bei jedem spukte es wohl schon im Kopf herum, dass ab 18 Uhr in Wildau ein Hallenfußballturnier stattfinden sollte.

Wie immer vor einem Fußballereignis der VSG (oder UNION) versucht man seine Nerven Herr zu werden. Dieses geschieht auch auf unterschiedlicher Weise, einer isst zum Mittag Forelle, der Andere Spagetti, wieder Andere ziehen es vor ein paar Bier zu vertilgen. (Oft mit einem gewissen Ekel) Aus der Gerüchteküche wird sogar behauptet, dass jemand auf dem Kopf stehend, einen Ball zwischen den Füßen, eine Stunde lang meditieren soll und dabei zeitweilig ein Glas Buttermilch nach oben schluckt.

Doch nun zurück zum besagten Samstag den 23.Februar 1985.

Bis auf zwei Nachzügler (Bürste und Nucki), die sich erst am Schachbrett nicht trennen konnten und dann noch aufgehalten wurden, von sich gegenseitig jagenden „Schweine-BFC“ und “Dreck-Chemie-Leipzig“ - Fans(?).   Anmerkung: es ist das Jahr 1985 !!!

Jedenfalls waren alle zum 1. Spiel anwesend, auch wenn ein paar vor Aufregung nicht ganz da waren. Dadurch wurden wir gleich nach einigen Minuten bestraft, den der Gegner, die „Schöneweider Flaschenkinder“, erzielten sogleich ein vermeidbares Tor. Doch wie sonst nicht üblich verlor keiner ein Wort darüber, sondern es ging mit vereinten Kräften daran den Rückstand so schnell wie möglich zu egalisieren. Kurze Zeit später nach einer Ecke von rechts, kam das runde Gefährt auf den linken Fuß von Bürste und prallte aus 10m in den linken oberen Winkel zum 1:1. Nach verteiltem Spiel, bei einigen großen Torchancen unserer Mannschaft, sorgte dann ein blitzsauberer Konter, eingeleitet durch einen super Steilpass von Nucki übers ganze Feld und einem überlegtem Heber von Bürste, zum alles entscheidenden 2:1 für uns.

Da wir nicht im entferntesten daran dachten unter die ersten 3 zu kommen, sollte schon ein Unentschieden im 2.Spiel zum Einzug ins Finale reichen, weil das Spiel „Flaschenkinder

gegen „Kickers II“ torlos endete.

Die ansteigende Form in der 2.Halbzeit im 1.Spiel wurde nun in der 2.Partie gegen die „Kickers“ sogar noch überboten und nach einer 3:0 Führung, durch sehenswert heraus gespielte und vollendete Treffer durch Lenin und Noack, gingen wir schließlich als 5:2 Sieger vom Hallenparkett. Der Sieg hätte noch höher ausfallen können, doch unser Eckenspezialist Reiher vergab einen Riesen, als er allein vor dem Tor den Ball nicht ins Gebälk zauberte. Der Rückhalt der Mannschaft waren außerdem noch unser Kieper Potty und der schottische Abwehrriegel KrauseMampe und Nucki. Potty sollte noch für Furore sorgen.

So standen wir, wie aus heiterem Himmel im Finale, des mit einem Wanderpokal (gestiftet von den „Widauer Kickers“) dotierten Hallenturniers von Wildau.

Beim Zuschauer der Spiele um die Plätze 3-6 hatten wir ein wenig Zeit um unsere Kräfte zu sammeln. Bei den Turnieren zuvor hatten wir kaum einige Minuten, denn meist wurde nur um hintere Plätze gespielt.

Unser Endspielgegner lautete, nach einem spannenden Spiel, „Union-Karlshorst“ (ehemals HFÖ), die gegen eine immer mehr abbauende „Zenit Amtsfeld“ - Elf mit 4:2 die Oberhand behielten.

Im Spiel um Platz 5 setzte sich die 2. Vertretung der „Kickers“ gegen „Zenit“ mit 2:1 durch, wobei die sportliche und spielerische Einstellung von „Zenit“ nicht die war, die sie bei feucht-fröhlichen Gelagen haben.

Auch um Spiel um Platz 3 ging bei den „Flaschenkindern“ nicht nur die Luft aus den Flaschen raus. Sie konnten den wie entfesselt spielenden „Kickers I“ aus Wildau nicht das Wasser reichen, und verloren am Ende mit dem höchsten Tagesergebnis von 1:8.

Doch nun zum Höhepunkt der Abends. Die Zeiger der Hallenuhr standen auf 15 nach 20Uhr.

Um 30 nach 20 Uhr ist alles vorbei. Unsere Herzen pochten wohl so laut das einige Unwissende behaupteten wir wären gedopt. Das war natürlich nicht der Fall ! Wir gingen mit der Einstellung ins Finale, das selbst ein 2.Platz ein für uns tolles Ergebnis darstellt. Mit diesen Gedanken in uns pfiff der Unparteiische das Finale an. Es waren vielleicht 2 Minuten gespielt als auf einmal sich Noack ein 2. Herz faste und den Ball aufs Tor jagte. Zum Erstaunen aller in der Halle Anwesenden landete das schwarz-weiße Ding zwischen dem rot-weißen linken Pfosten und der Latte. Ein Auftakt nach Maß würde Kaiser Franz sagen. Dieser Knaller hatte beim Gegner lähmendes Entsetzten zur Folge und so schafften wir bis zur Pause sogar noch das 2:0 wiederum durch Noack.

Es waren noch 8 Minuten bis zum Abpfiff.

Als Lenin im beherzten Nachsetzen sogar auf 3:0 erhöhte schwelgten einige von uns schon im 7.Pokalhimmel. Doch wurden sie gleich wieder auf den Parkettboden der Tatsachen zurück geholt, als das Anschlusstor für „Union-Karlshorst“ fiel. Die Zeit wollte nicht vergehen und unser Potty bekam Höchstarbeit. Wie er durch die Luft sauste, dass war schon toll mit anzusehen. Leider konnte er das 3:2 von Theo Körner nicht verhindern und nun wurde es noch mal dramatisch. Die Kräfte verließen uns zusehends, doch mit dem letzten Willen retteten wir das Ergebnis bis zum alles erlösenden Schlusspfiff.

Die Freude ist kaum zu beschreiben. Ausgepumpt bis aufs Letzte lagen wir uns in den Armen. Potty – Krause – Mampe – Noack – Nucki – Reiner – Lenin – und Bürste. Der Sektkorken knallte und das , was wir uns seit fast 6 Jahren erträumten ging in Erfüllung, zum 1. Mal tranken wir Sekt aus einem von uns errungenen Pokal.

Unter der Dusche wurden die ersten Lieder gesungen, von denen die noch konnten. Sogar rasiert wurde sich wegen des Pokals-Gewinnes.

Was nun noch folgte ist vom menschlichen Standpunkt aus gesehen menschlich. Halbe Liter und diverse Sektflaschen machten die Runde in einem Lokal in Wildau, wo auch die „Kickers“ saßen.

Bis zur Verabschiedung gegen Mitternacht gaben wir unseren Gefühlen freien Lauf und konnten nicht genug Anstoßen auf diesen unvergesslichen Tag in der Geschichte der

VSG WUHLHEIDE 79.